NAS auf dem Raspberry Pi installieren – Netzwerkfestplatte

LTEIn diesem Beitrag möchte ich Ihnen kurz erklären, wie Sie aus einem Raspberry Pi einen Netzwerkfestplatten-Server (NAS) machen. Nach Beendigung aller Arbeitsschritte können Sie von jedem Computer oder Tablet PC innerhalb des eigenen Netzwerks aus auf die Daten der angeschlossenen Festplatten zugreifen. Der Raspberry Pi bietet Ihnen dabei den Vorteil, dass Sie im Vergleich zu fertigen NAS Produkten sehr viel Geld sparen. Zum Vergleich: ein Raspberry Pi System kostet Sie ca. 50 Euro. Ein NAS System für 2 Festplatten hingegen 100 bis 200 Euro. Weiterhin kann der Raspberry Pi zeitgleich weitere Aufgaben wahrnehmen, wie beispielsweise als Drucker-Server. Das fertige System kann in gewissen Punkten auch Apples Time Capsule ersetzen… zu einem Bruchteil der Kosten.

Raspbery Pi als NAS konfigurieren

1. Statische IP Adresse

Aus meiner Sicht ist es zunächst ganz wichtig, dass der Raspberry Pi eine statische IP Adresse im eigenen Netzwerk erhält. Wie Sie hierzu vorgehen erfahren Sie in einem meiner ersten Artikel zum Thema Raspberry Pi.

2. Update des Raspberry Pi

Bevor wir mit der eigentlichen Installation von Samba beginnen können, müssen wir die Paketverwaltung des Raspberry Pi aktualisieren. Zeitgleich installieren wir Treiber für NTFS Festplattensysteme. Von Haus aus unterstützt der Raspberry Pi FAT. Sofern Sie also nur FAT Systeme an den Pi anschließen können Sie die NTFS Installation überspringen. Aus strategischen Gründen können wir die Treiber jedoch gleich mit herunterladen. Wir loggen uns auf den Pi (via SSH) auf und führen folgende Befehle aus:

sudo -i
apt-get update
apt-get upgrade
apt-get install ntfs-3g

Dieser Vorgang benötigt etwas Zeit. Danach ist die Paketverwaltung auf einem aktuellen Stand. Bereits jetzt können Sie ihre USB Festplatte an den Raspberry Pi anschließen. Der keine Pi wird bereits jetzt die Hardware erkennen, Sie können aber noch nicht auf die Daten zugreifen.

3. Samba installieren

An dieser Stelle installieren wir die Software Samba zur späteren Freigabe der Daten im lokalen Netzwerk. Samba ist selbstverständlich kostenlos.

apt-get install samba samba-common-bin

Die Installation ist nach wenigen Minuten abgeschlossen. Aber auch an dieser Stelle können wir noch nicht auf die Informationen auf der angeschlossenen USB Festplatte zugreifen.

4. Festplatte auf dem Pi einrichten

Nachdem wir die benötigte Software auf dem Pi installiert haben, können wir damit fortfahren die angeschlossene Festplatte in den Pi einzuhängen. Anders als bei Windows oder Mac Systemen werden externe Laufwerke nicht automatisch in das System der Raspberry Pi eingebunden. Zunächst lesen wir aus ob die Festplatte richtig erkennt wurde und unter welchem dev-Verzeichnis die Festplatte hängt.

fdisk -l

Ganz unter der erscheinenden Auflistung sollten Sie einen Eintrag finden, der folgende Informationen enthält: /dev/sda1… Merken Sie sich diesen Eintrag gut oder kopieren Sie die Information. Wir benötigen diesen Verweis später noch.

Bevor wir die Festplatte einhängen (mounten) können, müssen wir uns noch Gedanken darüber machen wohin. Der Raspberry Pi bietet bereits ein Verzeichnis mit dem Namen Media. Dort können Sie ein Verzeichnis für die Festplatte anlegen. Auf dieses Verzeichnis verweisen wir späten und verknüpfen die Festplatte damit. In der zweiten Befehlszeile kommt unser Quellverzeichnis zum Tragen, wo die externe Festplatte vom Raspberry Pi zugeordnet wurde. Oben sprach ich von /dev/sda1:

mkdir /media/festplatte1
mount -t auto /dev/sda1 /media/festplatte1

Nach diesen Befehlszeilen können Sie bereits über cd /media/festplatte1 auf die Daten der externen Festplatte zugreifen. Leider nur lokal vom Pi. Daher werden wir nun das Programm Samba konfigurieren.

5. Samba konfigurieren

Wir müssen eine Konfigurationsdatei des Samba-System verändern. Hierzu rufen wir über einen Editor (in unserem Fall nano) die Datei smb.conf auf:

nano /etc/samba/smb.conf

Selbstverständlich können Sie vorher auch eine Kopie der Datei machen. An dieser Stelle verzichte ich jedoch darauf. Tragen Sie ganz unten folgende Zeilen ein:

[Media-HDD1]
comment = Festplatte 1
path = /media/festplatte1
valid users = @users
force group = users
create mask = 0660
directory mask = 0771
read only = no

Die ersten beiden Zeilen können Sie verändern. Innerhalb der eckigen Klammern taucht der spätere Name der Festplatte auf. Hinter comment können Sie eine Beschreibung für das Laufwerk eintragen. Den Rest sollten Sie so belassen. Leider funktioniert die Festplatte im Netzwerk so immer noch nicht. Wir müssen das System Samba einmal neu starten:

/etc/init.d/samba restart

Nun sollte die Festplatte theoretisch erkennbar sein. Nur Zugreifen können Sie immer noch nicht. Es muss mindestens ein neues Nutzer im Pi als auch in Samba angelegt werden über den wir später Zugriff auf die Festplatte erhalten. Wir legen einen neuen Nutzer im Pi an (pinas = Pi NAS):

useradd pinas -m -G users
passwd pinas

Ein entsprechender neuer User im Betriebssystem des Raspberry Pi gibt es nun. Nun verknüpfen wir diesen Nutzer mit dem System Samba und vergeben ein Passwort.

smbpasswd -a pinas

Damit ist faktisch aller erledigt und Sie können auf die Daten zugreifen. Damit nach einem Neustart die Festplatte auch wieder automatisch in das System des Pi integriert wird, müssen wir noch eine kleine Änderung in der Daten fstab vornehmen.

nano /etc/fstab

Fügen Sie vor die Zeile mit dem # folgendes ein:

/dev/sda1     /media/festplatte1       auto     noatime     0      0

Zwischen allen Abständen muss ein TAB gesetzt werden. Danach sind wir fertig.

Festplatte in Systemen erkennen

Unter Windows ist die Festplatte sehr einfach einzuhängen. Daher will ich hier nicht weiter auf das Vorgehen eingehen. Bei MacOS X sollten Sie cmd+k drücken. In das kleine Feld fügen Sie ein (Ihre IP-Adresse des Pi):

smb://192.168.X.XXX

Damit ist alles erledigt.

Wie fügen Sie nun das NAS bspw. bei einem iPas hinzu? Ganz einfach. Sie benötigen eine spezielle App. Ich benutze „FileExplorer“ für ca. 5 Euro. Sobald Sie die App gestartet haben können Sie unter ‚+‘ und NAS die „pinas“ Festplatte hinzufügen. Geben Sie in das Feld einfach die IP sowie die Login-Daten (pinas + Passwort) ein. Über diese App können Sie dann ganz einfach auf alle Daten zugreifen und ggf. zusammen mit Apple TV auf einen TV Streamen.

UPDATE: Falls es sich an Ihrem Raspberry Pi eine angeschlossene FAT32 Festplatte handelt, können Sie ohne Problem auf die Daten zugreifen. Leider unterstützt FAT32 kein korrektes Rechtemanagement. Daher können Sie nicht auf die angeschlossene Festplatte schreiben. Das ist jedoch kein Problem. Wandeln Sie am besten mit einem Windows PC die FAT32 Festplatte in eine NFTS Festplatte um. Starten Sie hierfür CMD und tippen Sie dann:

convert Laufwerksbuchstabe: /fs:ntfs

ein. Der Laufwerksbuchstabe ergibt sich aus Ihrem Windows System. Weitere Informationen finden Sie hier: Microsoft Hilfe. Nach einer Umwandlung können Sie ohne Probleme auf der NTFS Festplatte Lesen und Schreiben.

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5 Anmerkungen zu “NAS auf dem Raspberry Pi installieren – Netzwerkfestplatte

  1. Ken
    30. September 2014 um 13:35

    Hi, erstmal vielen Dank für die Anleitung. Nachdem ich alle Schritte ausgeführt habe, sehe ich die Platte zwar in der Netzwerkumgebung in Windows und auch in XBMC (über FireTV) allerdings wird bei beiden Optionen nach Eingabe des Benutzers und des Passworts der Zugriff verweigert. (@ Windows: der Gruppenname konnte nicht gefunden werden)
    Was habe ich denn hier Essentielles vergessen? Muss man irgendwie, irgendwo noch die Gruppe „Users“ erstellen?

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    1. Jan Gevert
      6. Oktober 2014 um 21:35

      Hallo Ken,

      eigentlich ist mit den oben beschriebenen Schritten alles getan. Lediglich an einer Stelle ist mir ein Fehler unterlaufen: nano etc/fstab. Es muss „nano /etc/fstab“ lauten.

      Das Einzige was ist mir noch vorstellen kann ist folgendes:
      Unter der Datei /etc/samba/smb.conf kannst Du einiges einstellen. Zum einen muss natürlich die Workgroup übereinstimmen. Das passt ein wenig mit Deiner Fehlermeldung zusammen. Bitte prüfe doch einmal wie Deine Arbeitsgruppe unter Windows lautet. Genau so muss diese auch im Pi benannt sein.

      Viele Grüße
      Jan

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  2. Rafael
    28. April 2015 um 20:20

    Hallo Jan,
    erstmal danke für die Anleitung, selbst ich als absolute Kompetenzbombe *ironie grüßt* der gerade zum ersten Mal mit SSH sich versucht, konnte komplett folgen. Bis auf den letzten Schritt. Bei der Eingabe nano /etc/fstakommt bei mir folgendes:
    /dev/mmcblk0p1 /boot vfat defaults,noatime 0 0
    /dev/mmcblk0p2 / ext4 defaults,noatime 0 0
    Daher kann ich dem Punkt nicht ganz folgen, wo ist dort das # damit ich /dev/sda1 /media/festplatte1 auto noatime 0 0 eintragen kann?
    Danke vorab nochmal für deine super Hilfe hier
    MfG
    Rafael

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    1. Jan Gevert
      29. April 2015 um 21:16

      Hallo Rafael,

      vielen Dank für Deinen Beitrag. :-)

      Du kannst die zusätzlichen Devices (Festplatten) einfach unter die oben aufgeführten schreiben.
      Der # Tag steht normalerweise am Ende der Datei. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, ist der kein Problem, da es sich hierbei nur um ein Kommentar handelt.

      Also einfach unter /dev/mmcblk0p2…

      Boote dein Linux dann einmal neu. Die Festplatte sollten nun unter /Media/festplatte1 zu finden sein.

      Ich wünsche Dir einen schönen Abend
      Jan

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